Die Mär vom „sauberem Strom“ – Besuch aus Indien

Die Geschichte des „sauberen Stroms“ – Punit Minj über Uranabbau in Indien

Stefan mit Punit MinjDie Mär vom sauberen Strom wird hierzulande gerne erzählt, um für die Vorzüge des Nuklearstroms zu werben. Um bekannt zu machen, welcher Preis für diese Form der Energiegewinnung in vielen Regionen der Welt gezahlt wird, besuchte der indische Adivasi-Aktivist Punit Minj die grüne Landtagsfraktion und sprach mit Stefan Engstfeld MdL, dem Sprecher für Eine-Welt-Politik.

Drei Viertel der weltweiten Uranvorkommen liegen in Gebieten, die von indigenen Völkern besiedelt werden. Der Bundesstaat Jharkhand, gelegen im Nordosten Indiens, ist eine dieser Regionen, in denen seit mehreren Jahrzehnten durch Uranminen Raubbau an der Natur und an den Menschen betrieben wird.

Nach Minj werden für den Uranabbau zunächst im Auftrag der Minenbetreiber die naturbelassenen Waldflächen gerodet, was für die ansässige indigene Bevölkerung den Entzug ihres Lebensunterhalts und -raumes bedeutet. Dafür gibt es meist keine Gegenleistung oder Entschädigung. Der Abbau des Urans erfolgt anschließend unter geringsten Sicherheits- und Arbeitsstandards und oftmals ohne Entlohnung. Besonders schwerwiegend sind die gesundheitlichen Folgen für die in den Uranminen arbeitenden Menschen. Ohne Schutzkleidung oder sonstige Schutzmaßnahmen vergiften sich die ArbeiterInnen durch das radioaktiv strahlende Urangestein. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Lagerung der strahlenden Abfälle in unmittelbarer Nähe zu den Dörfern und den ungesicherten Abtransport des Gesteins in offenen Lastwagen und rostigen Fässern.

Die Folgen des Uranabbaus sind für die in Jharkhand lebenden indigenen Adivasi verheerend und äußern sich, neben der akuten Gesundheitsgefährdung, in Verarmung und langfristiger Ausrottung der Stämme und deren Kultur. Nuklearstrom, der unter der schwarz-gelben Bundesregierung in Deutschland eine Renaissance als angeblich saubere und naturfreundliche Energiequelle feiert, zeigt sich damit wieder einmal von seiner wahren und schmutzigen Seite. Deutschland ist, wie viele andere Länder, nämlich komplett vom Import des Urans abhängig. Und ohne Uran keine Atompolitik.

Punit Minj ist einer der Koordinatoren, die in Form von basisdemokratischen Graswurzelaktionen gegen die Macht der – in diesem Fall staatlichen – Konzerne seit Jahren ankämpft. Ein Kampf wie David gegen Goliath, für den Minj derzeit durch die Schweiz und Deutschland reist, um die dringend benötigte internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung für seine Landsleute zu organisieren. Mit seinem Anliegen traf Minj bei der grünen Landtagsfraktion auf offene Ohren.

Adivasi – auch mit „erste Menschen“ bzw. „erste Siedler“ übersetzt – ist die Selbstbezeichnung der indigenen Bevölkerung im Gebiet des heutigen Indien. Diese kulturelle sehr vielschichtige Bevölkerungsgruppe zählt heute zu den ärmsten Menschen in Indien. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt ca. sieben Prozent. Der aus dem Bundesstaat Bihar ausgegliederte Bundesstaat Jharkhand beherbergt die größte Bevölkerungsgruppe der Adivasi.

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld