Steinkohlestrom um jeden Preis? – MenschenrechtlerInnen zu Besuch im Landtag

(v.l.n.r.) Katrin Ganswindt, urgewald, Mitautorin der Studie; Stefan Engstfeld MdL; Wibke Brems MdL; Heffa Schücking, urgewald, Mitautorin der Studie; Andrea Asch MdL; Oscar Guariyu, Präsident der Vereinigung der indigenen Wayúu-Gemeinden aus dem Süden der Guajíra, Kolumbien; Paul Corbit Brown, Sprecher von „Keepers of the Mountains“, USA; Petra Langheinrich, Mitarbeiterin des Anwaltskollektivs, das die Familien ermordeter kolumbianischer Gewerkschafter vertritt; Sebastian Rötters, FIAN Deutschland, Mitautor der Studie

Mit ihrem neu veröffentlichen Dossier „Bitter Coal-Deutschlands Steinkohleimporte“ sind die Menschenrechts- organisationen FIAN (FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk)  und urgewald derzeit in der Republik unterwegs, um auf ökologische, soziale und menschenrechtliche Missstände importierter Steinkohle aufmerksam zu machen. Unsere Abgeordneten Stefan Engstfeld, Wibke Brems, Gudrun Zentis, Andrea Asch und Daniela Schneckenburger trafen sich mit VertreterInnen der Organisation und BürgerrechtlerInnen aus den Produktionsländern, um sich über die Abbaubedingungen sowie Auswirkungen zu informieren und über die Verantwortung nordrhein-westfälischer Energieversorgungsunternehmen auszutauschen.

Nach Angaben von FIAN und urgewald importieren die im Dossier untersuchten Energieversorgungsunternehmen RWE, EON, STEAG, EnBW, Vattenfall und Trianel mittlerweile mehr als 80 Prozent der zur Stromerzeugung verbrannten Steinkohle aus Kolumbien, Russland, den USA und Südafrika. Über die Abbaubedingungen und die Konsequenzen für die ansässige Bevölkerung in den jeweiligen Ländern war bislang wenig bekannt.

FIAN und urgewald warfen den Kohleproduzenten im Gespräch schwerwiegende menschenrechtliche Verletzungen und die Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen vor Ort vor. In den USA werden nach Auskunft von Paul Corbit Brown, Keeper of the Mountains Foundation, für den Abbau von Steinkohle Bergspitzen weggesprengt und der Abraum in die Täler verfüllt. Dabei werde das Wasser verseucht und die älteste und artenreichste Gebirgslandschaft Nordamerikas unwiderruflich zerstört.

Aus Kolumbien berichtete Oscar Guariyu, Präsident der Vereinigung der indigenen Wayúu-Gemeinden aus dem Süden der Guajíra. Seit 30 Jahren wird dort überwiegend von US-Konzernen Steinkohle abgebaut. In dieser Zeit mussten zahlreiche Gemeinden den Minen weichen, ohne angemessen umgesiedelt oder entschädigt zu werden. FIAN und urgewald grangern zudem die Förderung paramilitärischer Strukturen vor Ort an.

NRW spielt beim Thema Steinkohleimporte eine besondere Rolle. Ein Drittel des in Deutschland produzierten Stroms stammt aus NRW. Davon wird 30 Prozent des Stroms durch die Verbrennung von Steinkohle gewonnen. Nordrhein-westfälische Energiekonzerne wie RWE, Eon und Steag sind wichtige Geschäftspartner für die im Dossier untersuchten Kohlekonzerne und weigern sich bislang ihre Lieferketten offen zu legen. Deshalb appellierte Heffa Schücking, Geschäftsführerin von urgewald, an die kommunalen Eigentümer der Energiekonzerne in NRW, sich mit den ökologischen und menschenrechtlichen Auswirkungen der Kohleimporte auseinander zu setzen und ihren Einfluss für Änderungen geltend zu machen.

Wer sich tiefergehend informieren möchte wird auf folgenden Seiten fündig:

Dossier von FIAN und urgewald „Bitter Coal – Ein Dossier über Deutschlands Steinkohleimporte“:
http://www.fian-deutschland.de/online/index.php?option=com_remository&Itemid=160&func=fileinfo&id=547

Gas- und Kohlekraftwerke in NRW:
http://gruene-fraktion-nrw.de/detail/nachricht/gas-und-kohlekraftwerke-in-nrw-ein-ueberblick.html

Warum wir Energieland Nummer Eins sind?:
http://gruene-fraktion-nrw.de/detail/nachricht/warum-wir-das-energieland-nummer-eins-sind-und-wie-wir-es-bleiben.html

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld