GEMEINSAM STARK MIT STARKEN WERTEN

Der 9. Mai ist der Europatag der Europäischen Union. Er markiert die Grundsteinlegung der heutigen Europäischen Union, der Europa seit 66 Jahren Frieden verdankt. Heute, in Zeiten, in denen viele Menschen Zweifel am Kurs der europäischen Integration haben, gibt der Europatag einmal mehr Anlass, die Errungenschaften Europas zu würdigen und einen kritisch Blick auf die aktuelle Lage zu werfen.

„Was ist mit Dir los, Europa?“ fragte sich letzten Freitag Papst Franziskus bei der Verleihung des Karlspreises im Vatikan. „Was wird aus Europa?“ frage ich mich und werde ich viel gefragt. Viele Bürgerinnen und Bürger treibt die Sorge um, dass Europa zerbricht. Nicht ohne Grund. Denn die Lage des Kontinents ist ernst: Schwelende Staatsschuldenkrise in Griechenland, die immer noch offene Flüchtlingsfrage, erstarkender antieuropäischer Populismus und Nationalismus, die Gefahr eines Ausscheidens Großbritanniens aus der EU (Brexit), die Terrorismusgefahr, der schwelende sozialer Sprengstoff bei der hohen Jugendarbeitslosigkeit oder die De-Regulierungsagenda beim Umwelt- und Naturschutz, die vieles in Frage stellt, was dort schon erreicht wurde. Die Frage ist also mehr als berechtigt: Ist die Europäische Union wirklich noch in der Lage, diese Herausforderungen zu meistern?

Ich halte es in solch einer Lage mit dem ehemaligen Kommissionspräsidenten Jacques Delors. Der hat einmal gesagt: „Europa ist gesünder als viele glauben. Die echte Krankheit Europas sind seine Pessimisten.“ Ich meine zwar auch, dass Europas Werte gerade durch nationale Egoismen und mangelnde Solidarität bedroht sind. Ich bin mir aber sicher: Wir, die Völker Europas, wollen alle nicht zurück in die nationalstaatliche Kleinstaaterei fallen. Wir wollen alle keine Schlagbäume und Grenzhäuschen mehr sehen. Wir wollen reisen. Wir wollen Handel treiben. Wir lieben italienische Nudeln, französischen Käse und holländischen Vla. Wir lernen, lieben, studieren und arbeiten in Stockholm oder Madrid, wir haben Freundinnen und Freunde in Amsterdam oder Warschau. Unsere gemeinsame Währung zeigt, wie sehr wir zusammengewachsen sind. Ob bei zivilgesellschaftlichem Engagement, in der Politik, Wissenschaft oder Wirtschaft, ob in Behörden oder Kultureinrichtungen: Wir vernetzen uns heute von Helsinki bis Lissabon, von Düsseldorf bis Dublin, um gemeinsam Lösungen für gemeinsame Probleme zu finden.

Wir haben auch die fürchterlichen Ereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht vergessen. Wir wissen, aus welchen Ruinen Europa entstanden ist – nämlich aus den Ruinen des fatalen Nationalsozialismus, dem Holocaust und der Teilung des Kontinents. Wir wollen heute nicht, dass Europas Menschen wieder aufeinander schießen.

Wir wissen dass die Europäische Grundrechtecharta uns Meinungs- und Religionsfreiheit garantiert. Wir wissen, dass in Europa Menschenrechte vor Gericht einklagbar sind. Das Europa Vorreiterin für mehr Gleichberechtigung ist.

Für hunderttausende Menschen, die vor Krieg, Terror, Diktatur und Verfolgung Schutz suchen, ist Europa ja gerade deshalb ein Sehnsuchtsort.

Es liegt am heutigen Europatag an uns, diese Werte zu verteidigen.

Wir alle sind heute in Europa dafür verantwortlich, dass Vielfalt, Toleranz und Solidarität gelebt werden.

Die EU ist ein Garant für Frieden, das Überwinden von Grenzen und ein immer engeres Zusammenwachsen unseres Kontinents. Daran sollte uns der 9. Mai erinnern.

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